Angebote & Preisgestaltung

Stundensatz als Handwerker berechnen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Der verrechenbare Stundensatz entscheidet über die Wirtschaftlichkeit deines Betriebs. So berechnest du ihn Schritt für Schritt.

Stundenlohn und verrechenbarer Stundensatz sind nicht dasselbe

Der Stundenlohn ist das, was der Mitarbeitende auf dem Lohnzettel sieht. Der verrechenbare Stundensatz ist das, was der Kunde bezahlen muss, damit der Betrieb wirtschaftlich arbeitet. Zwischen beiden Werten liegen Sozialabgaben, Ferien, Krankheit, Werkzeug, Fahrzeug, Büro, Software, Versicherungen, Gewinn und Risiko. Wer diese Lücke nicht kennt, unterschätzt sich systematisch — oft um mehrere Faktoren.

Ein realistischer verrechenbarer Stundensatz ist die wichtigste einzelne Kennzahl im Handwerksbetrieb. Er entscheidet, ob am Ende des Jahres Gewinn übrig bleibt oder nicht.

Schritt 1: Jährliche Personalkosten je Mitarbeitendem

Start ist der Bruttolohn plus alle Lohnnebenkosten: Sozialversicherungen, Unfallversicherung, allfällige Vorsorgebeiträge, Krankentaggeldversicherung. Dazu kommen betriebliche Zusatzkosten pro Kopf: Berufskleidung, persönliches Werkzeug, Weiterbildung, Handy, Anteil am Fahrzeug, Anteil an Software-Lizenzen.

Aus dem reinen Bruttolohn entsteht so ein deutlich höherer betrieblicher Jahreswert — die tatsächlichen Personalkosten pro Mitarbeitendem und Jahr.

Schritt 2: Produktive Stunden ehrlich zählen

Ein Jahr hat theoretisch viele Arbeitsstunden. Verrechenbar ist davon nur ein Bruchteil. Abgezogen werden: Wochenenden, Feiertage, Ferien, Krankheit, Weiterbildung, interne Sitzungen, Werkstattzeit, Fahrzeit ohne Verrechnung, Angebotserstellung, Abrechnung. Übrig bleiben die tatsächlich produktiven, verrechenbaren Stunden. Realistisch sind das in vielen kleinen Handwerksbetrieben deutlich weniger, als die Rohrechnung vermuten lässt.

Wer die produktiven Stunden zu hoch ansetzt, macht den Stundensatz künstlich niedrig — und arbeitet damit strukturell unter den eigenen Kosten.

Schritt 3: Gemeinkosten des Betriebs

Zu den Gemeinkosten zählen alle Kosten, die nicht direkt einem Auftrag zugeordnet werden können: Werkstattmiete, Büromiete, Verwaltung, Buchhaltung, Software, Marketing, Fahrzeugkosten ohne Zuordnung, Versicherungen, Abschreibungen. Diese Kosten fallen unabhängig davon an, ob heute ein Kunde bedient wird oder nicht.

Die gesamten Gemeinkosten eines Jahres werden auf die verrechenbaren Stunden verteilt und ergeben den Gemeinkostenanteil pro Stunde.

Schritt 4: Gewinn und Risiko einplanen

Gewinn ist kein Nebeneffekt, sondern eine geplante Grösse. Er finanziert Investitionen, schlechte Monate, Ausfälle und Wachstum. Ein Risikoaufschlag deckt kleinere Fehlkalkulationen, Garantiefälle und Kulanz. Beide Grössen gehören fest in den Stundensatz — und werden nicht bei jedem Angebot neu verhandelt.

Schritt 5: Fahr- und Nebenzeiten sauber behandeln

Fahrzeit ist Arbeitszeit. Sie ist entweder Teil des Stundensatzes — dann muss der Stundensatz höher sein — oder sie wird separat verrechnet. Beides ist legitim, aber es muss bewusst entschieden sein. Wer Fahrzeit weder einrechnet noch verrechnet, verschenkt in einem Jahr eine erhebliche Zahl produktiver Stunden.

Ähnliches gilt für kurze Nebenzeiten: Materialabholung, Baustellenbesichtigung, Nacharbeit. Sie müssen entweder in der Position enthalten oder als Position sichtbar sein.

Schritt 6: Einfaches Rechenbeispiel

Ein einfaches, länderneutrales Beispiel: Angenommen, ein Mitarbeitender kostet den Betrieb pro Jahr X. Er hat pro Jahr Y verrechenbare Stunden. Dann sind seine reinen Personalkosten pro Stunde X geteilt durch Y. Auf diesen Wert kommen die anteiligen Gemeinkosten pro Stunde. Auf die Summe kommen Risikopuffer und Gewinn. Das Ergebnis ist der verrechenbare Stundensatz.

Die konkreten Zahlen sind je nach Land, Region, Gewerk und Betriebsgrösse völlig unterschiedlich — die Formel ist es nicht. Wer sie einmal sauber aufgesetzt hat, kann sie jedes Jahr in wenigen Minuten aktualisieren.

Schritt 7: Differenzieren nach Rolle und Leistung

Ein Betrieb hat selten nur einen Stundensatz. Sinnvoll ist eine Differenzierung nach Qualifikation — Lehrling, Fachkraft, Vorarbeiter, Meister — und teilweise nach Leistungsart, etwa Servicearbeiten mit hohem Fahranteil versus reine Werkstattarbeit. Zu viele Stufen machen das Angebot unübersichtlich, zwei bis vier funktionieren in der Praxis gut.

Schritt 8: Regelmässig aktualisieren

Ein Stundensatz ist keine einmalige Berechnung. Lohnentwicklung, Energiekosten, Fahrzeugkosten und Softwarekosten verändern sich laufend. Einmal jährlich sollte der Stundensatz vollständig neu gerechnet werden — idealerweise am gleichen Termin wie die Jahresplanung. Wer das nicht tut, arbeitet nach ein paar Jahren mit einem Stundensatz, der die Realität nicht mehr abbildet.

Woran du merkst, dass dein Stundensatz zu tief ist

Einige typische Muster: Der Betrieb ist ausgelastet, aber am Ende des Jahres bleibt kaum etwas übrig. Investitionen werden ständig verschoben. Rücklagen sind dünn. Krankheitstage oder Ausfälle bringen sofort finanziellen Druck. Wenn zwei oder mehr dieser Punkte zutreffen, lohnt sich eine ehrliche Neuberechnung — oft ist der Stundensatz einfach seit Jahren stehen geblieben, während die Kosten weitergestiegen sind.

Kommunikation des Stundensatzes gegenüber Kunden

Ein höherer Stundensatz löst bei Kunden nur dann Widerstand aus, wenn er isoliert wahrgenommen wird. Wer ihn in einen Zusammenhang stellt — was alles enthalten ist, welche Verlässlichkeit dahintersteht, welche Garantie geleistet wird — verhandelt selten über die Zahl selbst. Der Stundensatz ist am Ende der Preis für Kompetenz, Zuverlässigkeit und Verantwortung, nicht nur für gearbeitete Minuten.

Zusammenfassung

Der verrechenbare Stundensatz ergibt sich systematisch: Personalkosten, produktive Stunden, Gemeinkosten, Risiko, Gewinn. Wer ihn einmal sauber rechnet und jährlich aktualisiert, kalkuliert deutlich sicherer. Weiterführend: Kalkulation, Pauschal oder Aufwand und Materialaufschlag.

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